Communities schaffen nachhaltiges Vertrauen

Dominika Rantasa - metaMind
Expertin für Marketing
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Wirkkräftige Gemeinschaft bewirkt echte Veränderung und geht gleichzeitig verschiedene Aspekte auf mehreren Ebenen an: Die Strategieberaterin Anne Seubert plädiert dafür, Communities zu etablieren, um Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Vertrauen in dynamischen Arbeitskontexten zu stiften.

Seit 15 Jahren hilft die Dipl.-Kulturwissenschaftlerin und Kommunikationsexpertin Anne Seubert Projekten, Marken, Orten und Formaten dabei, Relevanz und Resonanz in den Fokus zu rücken. Sie unterstützte touristische Destinationen, Städte und urbane Räume bei der Entwicklung von sozialen Orten und wirkte beim Aufbau von digitalen Plattformen wie dem Bewertungsportal Yelp mit. Dabei geht es für Seubert auch um das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft. Wie kann ich mich als Einzelne wiederfinden, ohne die eigene Perspektive und Bedürfnislage der Gemeinschaft unterzuordnen? Wie finde ich eine Balance, um einerseits mitzugestalten und anderseits auch loszulassen? Und welche Rolle möchte ich dabei spielen? Fragen wie diese durchzogen das Gespräch mit Fabian Kondert in unserer Serie #metaForward.

Wenn Wertvorstellungen Menschen verbinden

Wer bei „Community“ gleich an Business-Ökosysteme mit einer klaren Value Proposition, an Projektteams mit formeller Ordnung oder an Tribes mit einer Vision denkt, liegt daneben: Qua Definition heißt Community Gemeinschaft und bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die freiwillig und intrinsisch motiviert ein gemeinsames Ziel verfolgen, gemeinsame Interessen pflegen und sich ihren Wertvorstellungen verpflichtet fühlen. Dabei liegt die Betonung auf den verbindenden Wertvorstellungen.

Fußball als Community

Ein starkes Beispiel dafür sieht Anne Seubert im Fußball: Die Fans sitzen jeden Samstag nebeneinander auf der Zuschauertribüne. Durch das gemeinsame Erleben werden sie plötzlich „Freunde“ – auch ohne einander besser zu kennen. Derartige Communities bringen persönlich viel: Man lernt voneinander – inhaltlich und über sich selbst. Man schützt sich gegenseitig. Man wird zusammen sichtbar und öffnet eine gemeinsame Lobby: Immer geht es um die Entstehung und Gestaltung des Raumes zwischen Menschen.

Fußball

Communities finden nicht nur in Business-Ökosystemen, sondern beispielsweise auch unter Fußball-Fans (Quelle: AdobeStock / Jacob Lund).

Wie können Unternehmen von Communities profitieren?

Betriebswirtschaftlicher Nutzen steht nicht primär im Vordergrund – sondern Loyalität, Identitätsstiftung und der Aufbau von verlässlichen Verbindungen untereinander. Mitarbeiter, die schon in Communities zusammengearbeitet haben, lernen zu vertrauen und in Krisen einfacher und effektiver zusammen zu arbeiten. Letzteres ist bei dem großen Thema „Zukunft“ besonders wichtig. Denn wer die Zukunft mitgestaltet, schafft erst die Dynamik, dass sie überhaupt stattfinden kann – und das unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse.

Was soll die Community erreichen?

Um tiefer einzusteigen, ist die Motivsuche für Organisationen besonders relevant. Die Leitfragen und der Leitstern sind: Was will ich mit der Community konkret erreichen, wo soll die Reise hingehen, und wo liegt der thematische Fokus? Erst die Antworten darauf verhelfen der Community zum Erfolg. So werden Querverbindungen in Unternehmen geschaffen und Leidenschaften für Themen sichtbar gemacht. Und wer sich an anderer Stelle (in der Community) schon begegnet ist, arbeitet letztlich leichter mit anderen zusammen. Um auf Wolf Lotter bei #metaforward zurückzugreifen: Mit dem Austausch schaffe ich darüber hinaus ein holistisches Verständnis für das, was in der Organisation passiert.

Partizipation

Die physische Begegnung darf im Rahmen der digitalen Transformation nicht vergessen werden, da dies ein essenzieller Faktor für den Teamerfolg ist (Quelle: AdobeStock / maxbelchenko).

Durch die Partizipation untereinander kann in den unterschiedlichen Phasen im Prozess auch immer wieder etwas völlig Neues entstehen. Den Fokus zu halten und gleichzeitig loszulassen ist eine Aufgabe, die jeden an seine ganz persönlichen Grenzen führt. Gerade in diesen Zeiten lernen wir schmerzlich, dass wir zwar virtuell gut connected sind, aber es schwerfällt, in eine echte Verbindung zu kommen. Denn Communities brauchen die physische Begegnung und stimmige Formate der kollektiven Identität – sie sind lebendige Organismen und atmen nach innen und nach außen.

Externe Communities: verbunden statt gebunden

Auch Externe, Kunden und Marken-Fans können in Communities einbezogen werden. Denn schon die Kundenbeziehung hat sich grundlegend verändert – Gemeinschaften nach außen liefern beispielsweise den nötigen Fachexperten Input für die Optimierung von Produkten und Services. Insbesondere Brand Communities mit Menschen, die sich nicht an ein Unternehmen gebunden, sondern sich ihm verbunden fühlen und in einer Community mit Gleichgesinnten zusammenschließen, sind wertvoller als jede PR-Kampagne, insbesondere in Krisenzeiten.

Vertrauen als Extrakt der Community

Zweifellos handelt es sich um ein herausforderndes Lernfeld, aber auch eine wunderbare Gelegenheit, die schon vorhandenen Gedanken der Communities weiter auszubauen und davon zu profitieren. Schließlich leben wir in einer Zeit der Post-Individualisierung, in der es immer wichtiger wird, Plattformen für die gemeinsame Wertschöpfung aufzubauen. Dies gilt sowohl unternehmensintern als auch außerhalb der Organisation. Gemeint sich nicht nur virtuelle Communities, sondern real erlebbare Resonanzräume – sozusagen vom ersten Kontakt bis hin zur tiefen Beziehung. Das sich so bildende Vertrauen ist überaus wertvoll.

Quelle Titelbild: AdobeStock / mast3r

Dominika Rantasa - metaMind
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