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Gamification für BCM: Let‘s play crisis!

Patricia Andre
Expertin für Business Continuity
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Krisen sind eine ernste Sache, wenn sie auftreten. In den krisenfreien Zeiten müssen wir im Business Continuity Management (BCM) unbedingt den Ernst aus der Sache nehmen, zum Wohle aller Beteiligten. Im Spiel lernt man viel besser, das Gehirn nimmt neue Informationen leichter auf, und sie sind später schneller abrufbar – das gilt auch für Erwachsene.

Das Gamification-Konzept für BCM soll anhand mehrerer Bestandteile das Lernen erleichtern (Quelle: Eigene Darstellung).

Eine der häufigsten Anfragen bezüglich BCM und Krisenmanagement ist ein Krisenstabstraining, auf Englisch „Crisis Drill“ genannt. Der Begriff sagt schon alles. Da wird hammerhart eine Krisensituation simuliert, und die Teilnehmer*innen werden extremem Stress ausgesetzt. Führt man einen Crisis Drill mit nicht ausreichend vorbereiteten Menschen durch, ist das nicht nur unfair, sondern auch kontraproduktiv: Alle Teilnehmer*innen sind froh, wenn sie den Drill hinter sich haben und sich ein Jahr lang nicht mehr mit dem Thema beschäftigen müssen. Demotivation und Frust sind häufig das Ergebnis.

Das Ziel: hohe Motivation – kein Frust!

Wir sollten aufhören, Crisis Drills als das Nonplusultra der Krisenübungen anzusehen, sondern darauf schauen, was wir für ein Ergebnis haben möchten und brauchen:

  • Fähigkeiten im Team (weiter-)entwickeln,
  • Teambuilding im Krisenstab,
  • Selbstvertrauen in die eigene Kompetenz,
  • das BCM-System sowie BC-Pläne weiterentwickeln und
  • die Abläufe verstehen.

Und dabei sollte die Motivation hochgehalten oder sogar gesteigert werden!

Das alles habe ich bis dato eher selten mit einem Crisis Drill geschafft, und manchmal ist leider sogar das Gegenteil herausgekommen.

Gamification – let‘s play!

Inzwischen fahre ich sehr gut damit, spielerische Elemente in meine Arbeit einzubauen und allen Teilnehmer*innen ihren Spaß zu gönnen. Die Szenarien müssen nicht realistisch sein, denn wenn wir mal ehrlich sind:

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt! Anstatt das Gebäude klassisch abbrennen zu lassen, kann man so tun, als wären die Büros mit Bällen geflutet worden – deswegen kann man dort nicht mehr arbeiten. Viele Mitarbeiter*innen toben sich erstmal im Bällebad aus oder tauchen immer wieder ab: „Bazinga!!!“

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Ein beispielhaftes Szenario für Gamification in BCM kann die Verwandlung des Büros in ein Bällebad sein, welche das Arbeiten verhindert (Adobe Stock / Robert Knechte).

Sinnvolle Szenarien entwickeln

Szenarien, die für das Training bis ins kleinste Detail durchdacht werden, sind meistens Situationen, die wir bereits erlebt haben und die höchstwahrscheinlich nie mehr so ablaufen werden. Schlimmer noch ist ein Szenario von der Stange, das ein Consultant bei jedem seiner Kunden durchführt. Klassische Notfallpläne gehen in ihrer Gestaltung davon aus, dass genau ein Notfall zu einem Zeitpunkt eintritt. Aber was ist, wenn während einer globalen Pandemie die Betriebsstätte durch ein Hochwasser überflutet wird, zeitgleich die IT-Systeme gehackt werden und Mitarbeiter*innen in Streiks gehen. Um was kümmert man sich zuerst, wie teilt man die Ressourcen auf, und wie flexibel ist das Krisenteam, um sich auf die unterschiedlichsten Szenarien einzustellen? Das kann geübt werden, und umso verrückter das Szenario ist, desto näher sind wir dann doch wieder an der Realität.

Ein schöner und auch lustiger Einstieg in eine Krisenübung ist deswegen das Szenariowürfeln. Das können Sie sich genauso vorstellen, wie es klingt: Man hat verschiedene Ausprägungen, und würfelt sich daraus ein Szenario zusammen – gemeinsam im Team. Das Szenariowürfeln ist ein wahrer Icebreaker – angekommen, aufgewärmt, los geht‘s mit… waaaas?

„Aliens sind auf dem Dach gelandet, und wir müssen erstmal daran arbeiten, eine Zeichensprache zu entwickeln, um mit ihnen kommunizieren zu können.“ Ok, warum nicht?

Das klingt für ein realistisches Szenario weit hergeholt, und wie soll das mit der Zeichensprache überhaupt im Ernstfall helfen? Aber die meisten, die bereits eine Rolle in einem Krisenstab innehatten, kennen bestimmt den Moment, an dem mindestens ein Mitglied laut denkt: „Das ist jetzt nicht wirklich passiert, oder?!“ Und genau dieses scheinbar Unmögliche kann man prima mit einem tatsächlich unmöglichen Szenario üben.

Lego Serious Play – ernsthaft?

Auch Lego Serious Play kommt gut an, um Krisen durchzuspielen und daraufhin Pläne zu entwickeln. Gemeinsam haptisch etwas zu erschaffen und dabei spielerisch das Problem zu lösen, ist ungemein motivierend und führt die Menschen zusammen. Hilfreich sind auch hier Szenarien, mit denen man in der Wirklichkeit nie konfrontiert wird, statt eine zu realistische Situation auszuwählen. Für alles, was ich mir vorstellen kann, kann ich einen Plan schreiben, also kann ich auch in die Rolle eines Flugzeugpiloten schlüpfen und einen Absturz abwenden – wozu gibt es Flugsimulatoren? Oder vielleicht doch lieber einen Notfall für die USS Enterprise entwickeln?

Exit Games und Microsimulations

Eine meiner Lieblingsübungen ist eine Art Exit Game, in dem man Aufgaben lösen muss, um die Krisenfähigkeit zu trainieren. Die Teilnehmer*innen verfolgen im Team das Ziel, „aus dem Raum herauszukommen“. Sie müssen gemeinsam und Schritt für Schritt an den Lösungen arbeiten und ihre unterschiedlichen Perspektiven einbringen. Microsimulations sind ebenfalls eine schöne Methode, das BCM-Programm voranzubringen. Statt mit einer großen jährlichen Übung zu versuchen, möglichst viele Aspekte abzudecken, werden in kleinen, spannenden Häppchen Wissen und Fähigkeiten stetig aufgebaut.

Positiv denken vs. mit dem Schlimmsten rechnen

Mitarbeiter*innen sind mit Szenarien, zu denen sie positive Assoziationen haben, viel leichter zu motivieren als mit dem totalen Ernstfall. Die Kunst von uns BCM-Verantwortlichen besteht darin, die passenden Szenarien zu finden. Manchmal reicht es schon, sich in den Büros umzuschauen, ob da Poster von einer Lieblingsserie hängen, oder man hört sich beim Mittagessen die Gesprächsthemen an, um das Richtige zu finden. Und wenn man doch lieber am Crisis Drill festhalten will, auch das geht mit mehr Spaß. Nicht klassisch, sondern als Wettbewerb: Ein Team managt die Krise, das andere Team muss vorhersagen, was das erste Team entschieden hat. Gerne auch mit Punktevergabe und Siegerehrung.

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Bei der Gestaltung als Wettbewerb kann zum Abschluss eine Siegerehrung veranstaltet werden (Adobe Stock / ShutterU2).

Makaber? Nein, überhaupt nicht! Denn ernst wird es dann sowieso, wenn die wirkliche Krise eintritt. Bis dahin sollten wir positiv denken und spielerisch lernen. Aber bitte nicht mit einer Übung oder einem Szenario von der Stange. Sie werden sehen: Auch Ihnen wird der Zusammenprall von Phantasie und Realität mehr Freude bereiten!

Wie Sie BCM erfolgreich in Ihrem Unternehmen einführen können, erfahren Sie in diesem Beitrag!

Quelle Titelbild: AdobeStock/anatolir

Patricia Andre
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