Gamification macht Schluss mit langweiligen Apps

Katharina Kreuzer
Expertin für Veränderung
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Seit über einem Jahr arbeiten wir an unserer metaGoals-App. Nun haben wir uns intensiv mit dem Gamification-Ansatz beschäftigt: Durch den spielerischen Rückenwind geht unsere Reise weiter.

Wir alle haben Apps auf dem Handy, die wir vor geraumer Zeit installiert – und bereits nach einigen Minuten/Stunden/Tagen von den Startseiten gelöscht haben: Sie wurden schnell langweilig, konnten uns nicht begeistern, waren schwächer als der innere Schweinehund, landeten in der App-Mediathek und wurden vergessen. Ebenso wie unsere guten Vorsätze:
„Wenn das Wetter wieder besser ist, gehe ich mit der App joggen.“
„Ja super, damit kann ich jeden Morgen meditieren.“
„Mit der App muss ich nur sieben Minuten am Tag trainieren? Das mach‘ ich künftig gleich nach dem Aufstehen!“
Oder eben auch nicht.

Gamification für unsere App

Da wir nicht wollen, dass auch unsere metaGoals-App dieses Schicksal erleidet, haben wir uns mit der Frage nach der Motivation beschäftigt: Was bewegt Menschen dazu, eine App zu installieren und gerne nutzen? Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Carsten Priebs, der sich als schon länger und nicht nur als CIO mit Gamification beschäftigt. Mit ihm haben wir den Gamification-Ansatz „Octalysis“ von Yu-Kai Chou – „die acht Antriebe der erfolgreichen Gamification“ – diskutiert und unsere Ideen für metaGoals dagegen gehalten.

Das metafinanz-Team hat sich zusammengesetzt und überlegt, in welche Richtung die App gehen soll (Quelle: metafinanz).

Was kann Gamification?

Kurz gesagt, ist Gamification die Kunst, alle unterhaltsamen und fesselnden Elemente aus Spielen auf reale oder produktive Aktivitäten wie beispielsweise den Arbeitsablauf zu übertragen. Was genau macht ein Spiel so interessant und spannend? Es ist der Spaß, die Zeit mit Freunden zu verbringen und sich besonders zu fühlen – als ob man selbst der einzige Mensch auf dieser Erde ist, der jetzt noch helfen kann, DAS bestimmte Problem zu lösen. Gamification bedeutet nicht, einen bunten Button auf die Home-Seite der App zu integrieren oder Coins/Energie zu einem Spiel hinzuzufügen – es ist das Verbundensein und Eintauchen in eine andere Welt, in der man selbst der Held sein kann.

Die acht Antriebe von Yu-Kai Chou’s Octalysis

Yu-Kai Chou beschreibt in seinem Buch „Actionable Gamification“ sein selbst entwickeltes Octalysis-Framework, um mittels verschiedener Ansätze von Gamification für (fast) jedes Problem eine Anwendung zu erstellen. Er hat acht zentrale Treiber („Core Drives“) identifiziert, die verschieden stark ausgeprägt sein können und die User:innen auf eine bestimmte Weise motivieren,  eine neue App in ihren Alltag zu integrieren.

  • Epische Bedeutung und Berufung,
  • Entwicklung und Leistung,
  • Selbstbestimmung zur Kreativität und Feedback,
  • Besitz und Eigentum,
  • Sozialer Einfluss und Verbundenheit,
  • Knappheit und Ungeduld,
  • Unberechenbarkeit und Neugier,
  • Verlust und Vermeidung.

Jeder positive oder negative Ansatz beeinflusst User:innen in einer spezifischen Art und Weise. Einige Ansätze steuern mittels extrinsischer Faktoren (von außen), beispielsweise durch neue Kleidung für den Avatar, Farben des Rennautos oder virtuelle Coins. Andere beeinflussen intrinsisch (nach innen), damit Menschen etwa ihre Kreativität und die soziale Interaktion ausweiten. Außerdem unterscheidet Yu-Kai Chou noch zwischen „Black & White Hats“ der Gamification.

Sowohl extrinsische als auch intrinsische Faktoren können die Motivation antreiben (Quelle: Adobe Stock/Joeahead).

So sollen White Hats ein positives Empfinden von Bedeutung und Kreativität vermitteln, während schwarze Hüte den Eindruck von Unsicherheit und möglicherweise Angst erzeugen. Hierzu zählen etwa die „Fear of missing out“ (FOMO) oder die Knappheit der Ressourcen, wenn Nutzer:innen nicht im Bilde sind, was als nächstes passieren könnte und so ein Kampf gegen die Verknappung entsteht.

metaGoals-App meets Octalysis

Nun sind wir im Team gefragt, die acht Ansätze von Yu-Kai Chou auf unsere inzwischen neu gestartete metafinanz-App anzuwenden. Wie schaffen wir es, dass sich User:innen als Teil von etwas Großem sehen? Wie können sie ihren inneren Hero herauslassen und die Helden sein, die sie schon immer sein wollen? Zu unseren Zielen gehört, Nachhaltigkeit mit Challenges zu verbinden und Müllsammeln als spielerische Methode darzustellen. Oder aus dem täglichen Arbeitsweg eine Rennstrecke und aus dem alten Radl einen Rennwagen zu gestalten. Wie können wir die User:innen dazu bringen, unsere App und mögliche Belohnungen als einen kostbaren, raren Schatz anzusehen? Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass die metaGoals-App in die Tiefen des Handys und aus dem alltäglichen Leben verbannt wird.

Erste Ideen sind schon da … mal sehen, ob es uns gelingt, das Framework richtig anwenden und unseren eigenen Ansatz zu finden. Seid gespannt, die Reise geht weiter! Wer sich in der Zwischenzeit selbst über das Gamification-Framework Octalysis von Yu-Kai Chou informieren will, findet hier einen großartigen TED Talk: Gamification to improve our world: Yu-kai Chou at TEDxLausanne

Quelle Titelbild: AdobeStock/TarikVision

Katharina Kreuzer
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