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Next Work: Die Macht der Emotionen

Rainer Göttmann
Experte für Zukunftsbilder
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Die Pandemie neigt sich dem Ende entgegen oder gleitet zumindest in die endemische Phase über. Was in der Gesellschaft als neu gewonnene Freiheit begrüßt wird, schafft in Unternehmen neue Herausforderungen. Für sie gilt es nun, eine geeignete Strategie ins „neue Normal“ zu finden und mit den Emotionen der Mitarbeitenden umzugehen, die sich in den vergangenen zwei Jahren in den heimischen vier Wänden aufgestaut haben.

In den Büros treffen bald wieder Menschen aufeinander, die sich vielleicht zwei Jahre nicht persönlich begegnet sind. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit: Einsam im Homeoffice, im Homeoffice zusammen mit Kindern, oder ein Leben, ohne sich einschränken zu lassen. So oder so entstehen Spannungen. Irgendwann drängen die brodelnden Emotionen nach draußen. Das Miteinander im Büro muss neu erlernt werden.

Clash of Emotions im Office

Die Tore der Unternehmen öffnen sich langsam wieder, aber eine neue Unsicherheit greift um sich. Gilt jetzt wieder Präsenzpflicht, bleibt ein Teil im Homeoffice, und wie viele dürfen überhaupt im Büro zusammenkommen? Wer bestimmt, ob ein Meeting in Präsenz oder virtuell stattzufinden hat? Und wie geht man mit denjenigen um, die mit der Entscheidung in die eine oder andere Richtung nicht einverstanden sind?

Nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht bildet sich ein komplexes Umfeld mit vielen neuen Regeln. Nicht zuletzt fehlende Klarheit und Unsicherheit führen dazu, dass die Emotionen hochkochen. Klar ist, dass diese Gefühle raus müssen. Wer sie ignoriert oder unterdrückt, der blockiert sich selbst, seine Kreativität und Produktivität. Allmählich wird immer klarer, dass in der Pandemie vieles verloren ging.

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Fehlende Klarheit kann dazu führen, dass die Emotionen hochkochen (Quelle: Adobe Stock / k_yu).

Herausforderungen der Pandemie

In den Hochphasen der Pandemie standen Sicherheit und Fürsorge an erster Stelle. Der kollektive Gang ins Homeoffice war die Konsequenz. Doch dauerhafte Distanz bewirkt eine gewisse Gleichgültigkeit. Der Zusammenhalt, der Teamspirit, all das geht allmählich verloren. Auch die soziale Interaktion, die früher beim Kunden stattgefunden hat, ist abhandengekommen. Und in der Zwischenzeit haben über 250 neue Mitarbeitende bei der metafinanz ein digitales Onboarding erlebt und das Unternehmen noch nie von innen gesehen. Wie soll da ein „Klebstoff“, eine Verbundenheit und Identifizierung mit dem Unternehmen entstehen? Das Thema Meetings birgt weiteren Sprengstoff. Statt im realen Leben fanden sie in erster Linie auf Videokacheln statt. Und wenn nun fünf Leute vor Ort präsent sein dürfen mit 3G-Regelung, einer aber auf 2G besteht und damit einen Mitarbeitenden ausschließt, dann entsteht negative Energie. Das müssen Unternehmen erkennen und damit umgehen.

Die kommende Arbeitswelt gestalten

Die Pandemie hat das Arbeiten grundlegend verändert. Die neue Form, Next Work, gilt es bestmöglich zu gestalten. Den Teil, in dem sich Mitarbeitende getroffen, sich ausgetauscht und soziale Bindungen aufgebaut haben, den wollen wir retten und wiederbeleben. Ein weiteres Ziel besteht darin, eine nachhaltige Mitarbeiterbindung herzustellen, da ohne Kontakte die Bindung zum Unternehmen verloren geht. Mit Identität „klebt“ man die Mitarbeitenden an eine Firma. Teams müssen sich austauschen, wieder finden und die Zeit der virtuellen Meetings aufarbeiten. Denn Emotionen sind im Virtuellen schwer wahrzunehmen.

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Die Mitarbeitenden sollen sich treffen, sich austauschen und eine soziale Bindung aufbauen (Quelle: Adobe Stock / Rawpixel.com).

Der Weg geht ganz klar vom Ich zum Wir. Jeder muss wieder etwas einzahlen und mehr das große Ganze denken. metafinanz setzt zwar auf Selbstorganisation, dennoch gibt es klare Regeln und Prinzipen. Zwischenmenschlicher Austausch ist essenziell und zentraler Ausdruck unserer lebendigen, offenen Unternehmenskultur. Unser 2020 eingesetzter Resilience Officer hat am 20. März vorerst seine Aufgabe erfüllt. Dann geht es darum, sich an die veränderte Form des Arbeitens zu gewöhnen. Es wird Zeit brauchen. Aber es wird gelingen.

Transformationen für die Zukunftsfähigkeit

Das Thema Next Work nach der Pandemie und die damit verbundenen Emotionen müssen alle Organisationen ernst nehmen. Drei Transformationen bereiten den Weg in eine gemeinsame Zukunft:

  • Vom Ich zum Wir: Die Interessen des Einzelnen stehen nicht im Mittelpunkt, das Team muss funktionieren und Kompromisse finden.
  • Neues gemeinsam gestalten: Jeder kann dazu beitragen, es wird nicht einfach von oben bestimmt.
  • Von KPIs zu Werten: Wenn die Arbeit Sinn stiftet, einen Wert hat und sich nicht nur um die nackten Zahlen dreht, dann können sich die Mitarbeitenden mit dem Unternehmen identifizieren.

Es gibt eine Menge Herausforderungen, die in den nächsten Monaten auf uns zukommen, mit unterschiedlichen Emotionen der Mitarbeitenden, die berücksichtigt werden müssen. Mit verschiedenen Projekten wie unserem Office-Umbau zu einer Begegnungsstätte, dem Next-Work-Team, der Identitätsarbeit und der Nachhaltigkeit werden wir uns diesen Themen stellen.

Einen weiteren spannenden Beitrag zur Gestaltung der Arbeit mit dem Titel „Meetings haben (spätestens) jetzt ein Update verdient!“ finden Sie hier.

Quelle Titelbild: AdobeStock/ tomertu

Rainer Göttmann
Experte für Zukunftsbilder
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Carina Seubert
Expertin für New Work
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