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Väter in Elternzeit und Teilzeit – ein Karrierekiller?

Martin Seitner
Experte für Digital HR
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Vater und Karriere – da haben sich zwei gefunden. Elternzeit und Teilzeit sowie gleichzeitig beruflich vorankommen – das passt auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen. Ich bin den Schritt gegangen. Doch wie vereinbar ist eine Consulting-Karriere mit der Familie?

„Heutzutage kümmern sich beide Elternteile gleichermaßen um ihre Kinder“

Oder etwa nicht? In der aufgeklärten Gesellschaft findet sich überall das wohlwollende Credo, dass sich der moderne Vater Elternzeit mit der Familie „gönnt“. Eine Berechnung des statistischen Bundesamtes zeigt jedoch, dass die Elternzeitquote bei Vätern bei unglaublich niedrigen 1,6 Prozent (2019) liegt. Von den Frauen nahmen 2019 immerhin 24,5 Prozent Elternzeit. Ist es also scheinbar doch nicht so weit her mit den modernen Vätern?

„Heutzutage gehen viele Väter in Teilzeit, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen“

Tatsächlich? Auch für die Teilzeit zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ein klassisches Bild. Demnach lag die Teilzeitbeschäftigung (unter 32 Wochenstunden) bei Frauen 2019 bei guten 46 Prozent, während Männer diesen Schritt mit elf Prozent deutlich seltener „wagen“. Männer führen für die Zurückhaltung oft die folgenden Gründe auf: den Wunsch der Mutter, das Kind zu betreuen, weniger Geld, negativer Einfluss auf die Karriere. Dies trägt natürlich stark zum Gender Pay Gap bei und ist gleichzeitig eine der Ursache dafür.

Das Gehaltsgefälle in der Familie

Ein Teufelskreis: Während Frau in der Elternzeit die Kinderbetreuung übernimmt, liegt ihr Job erst mal auf Eis. Eine Gehaltserhöhung ist undenkbar – eine Gehaltsverhandlung im Wiedereinstiegsjahr ebenso (warum eigentlich?). In diesen ein bis drei Jahren macht Mann einen deutlichen Gehaltssprung – falls er seine beruflichen Chancen nutzt. Dadurch wird die Partnerin zwangsläufig abgehängt.

Eine Frau in Elternzeit wird zwangsläufig finanziell und in Bezug auf die beruflichen Chancen abgehängt (Quelle: Adobe Stock /MichaelJBerlin).

Wenn Frauen nun den Teilzeit-Einstieg in den Job wagen, bleiben Männer oft in Vollzeit. Mit der Folge, dass Frauen dann meist mit Kind, Teilzeit-Karriere und Haushalt jonglieren müssen, wodurch der Pay Gap weiter aufgeht. Und zeitgleich gibt es einen Aufschrei in der Gesellschaft, dass Frauen weniger verdienen. Dabei wird vergessen, dass Frauen „einen Großteil der unbezahlten familiären Betreuungsarbeit leisten und dabei gleichzeitig erwerbstätig sind“.(WSI GenderDatenPortal 2021)

Gleichberechtigung muss man sich leisten wollen

Ganz beiläufig hört man in der Männerrunde: „Meine Frau muss nicht arbeiten“, oder „Das lohnt sich nicht, wenn meine Frau arbeitet“. Antiquierte Sätze, die die alten Strukturen nochmals betonen. Frau muss nicht – das mag finanziell betrachtet stimmen. Aber vielleicht will sie ja arbeiten!? Das zumindest zeigt eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Und was heißt eigentlich: „Das lohnt sich nicht“? Selbst rein finanziell betrachtet, ist dies oft ein verklärter Blick in die Zukunft. Was, wenn der Mann nicht mehr arbeiten kann, was, wenn sich das Paar trennt? Abgesehen davon, dass Arbeit ja nicht per se eine Last ist, sondern auch Freude, Erfüllung – und finanzielle Unabhängigkeit. Sollte es nicht auch im Interesse des Mannes sein, dass Frau wieder zurück in den Beruf findet? Ganz nebenbei lässt sich der Leistungsdruck auf Alleinverdiener reduzieren, da die Verantwortung für den Lebensunterhalt gleichberechtigt aufgeteilt ist. Gleichberechtigung, das wollen wir doch?

Finanzielle Risiken reduzieren

Eigentlich müssten wir längst aus den Erfahrungen früherer Generationen gelernt haben, die absolute Abhängigkeit vom Partner fällt aus der heutigen Zeit. Eine Kinderbetreuung zu 100 Prozent durch die Frau (über die vorgesehenen drei Jahre hinaus) birgt neben der finanziellen Abhängigkeit spätestens im Rentenalter (Gender Pension Gap) auch ein hohes finanzielles Risiko, wenn der Partner etwa durch Krankheit ausfällt. Die Pandemie hat die Situation zwischen Mann und Frau noch verschärft. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass vor allem Mütter die coronabedingte Betreuungskrise aufgefangen haben.

Die finanzielle Abhängigkeit eines Partners fällt aus der heutigen Zeit und birgt ein großes Risiko (Quelle: Adobe Stock /luckybusiness).

Ein persönlicher Lösungsvorschlag

Damit meine Frau und ich ohne Krippe und Kita gleichermaßen berufstätig sein können und ich für meine Tochter da sein kann, habe ich meine Arbeitswoche dauerhaft auf 26 Stunden reduziert – und das noch, bevor meine Frau wieder in den Beruf einsteigt. Zugegeben: Mit meiner bisher genommenen Elternzeit von drei Monaten gehöre ich nicht gerade zu den Vorreitern. Zudem ist mir die Reduzierung der Arbeitszeit anfangs schwergefallen – das liebe Geld, die Karriere, was denken die Kunden? So fühlt es sich doch ungewohnt an, vor allem, da Männer in Teilzeit noch nicht dem Ideal unserer Zeit entsprechen.

Effizienz statt Stundenzahl?

Aber: Warum sollen Teilzeit und Karriere sich ausschließen? Effizienz könnte vielleicht der bessere Karrieregarant sein, als „nur“ die maximale Wochenstundenanzahl zu erfüllen. Das entspricht auch eher unserem modernen Arbeitsverständnis. Und mit einer selbständigen, erfolgreichen Frau an der Seite kann Mann zudem noch erfolgreicher werden. Denn welch‘ besseren Coach gäbe es als die eigene Partnerin im Austausch über berufliche Themen? Oder bei der gemeinsamen Arbeit an einem Blog-Post, so wie hier unterstützt durch meine Frau Nina Seitner. Gerade hochqualifizierte Expert:innen finden in ihrem Beruf Selbstverwirklichung. Und wie sagt ein Sprichwort: „Happy wife, happy life“.

Die Vater-Tochter-Beziehung ist wichtig hinsichtlich des späteren beruflichen Erfolgs, des Selbstwertgefühls und der Persönlichkeit der Tochter (Quelle: Adobe Stock /master1305).

Töchter können Väter gut gebrauchen

Zum Abschluss noch ein gutes Argument für die Männer mit Töchtern da draußen: Väter prägen Töchter hinsichtlich des späteren beruflichen Erfolgs, ihres Selbstwertgefühls und ihrer Persönlichkeit stärker als ihre Mütter. Zudem zeigen diese Töchter dann weniger Interesse an einem stereotypen Frauenbild. Vielleicht erhöhen wir damit endlich den geringen Frauenanteil in der IT-Branche. Angesichts der vielen Vorteile, die eine gemeinsame Eltern- und Teilzeit mit sich bringen, ist es ein Anachronismus, dass die meisten Männer immer noch auf die klassischen Belohnungen der Karriere fixiert sind.

Einen weiteren spannenden Beitrag zur Gestaltung der Arbeit mit dem Titel „Next Work: Die Macht der Emotionen“ finden Sie hier.

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Quelle Titelbild: AdobeStock/ asbe24

Martin Seitner
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