Wie Angst Organisationen beeinflusst

Dominika Rantasa - metaMind
Expertin für Marketing
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In neuen Begegnungen liegt die verlockende Verheißung einer Eroberung. Doch wer ist offen für Neues, wenn er in seinem Umfeld wunschlos glücklich ist? Wer interessiert sich im Unternehmen für das Außen, wenn im Gewohnten und Vertrauten alles erfolgreich abgedeckt wird? Es braucht Mut und innere Stärke sowie die Akzeptanz von Unvollkommenheit, um Bestehendes nicht routiniert fortzuführen, sondern wach und offen Neues zu wagen.

Ungewissheit verursacht natürlicherweise Unsicherheit und erzeugt eines der Gefühle, welches die meisten Menschen lieber meiden: Angst. Alle haben sie, doch niemand spricht gerne darüber. Dabei ist jedem klar, dass der Mensch ein emotionales Wesen ist. Ein Teufelskreis, denn bei der Öffnung nach Außen und der Entscheidungsfindung spielt der Umgang mit Angst eine große Rolle. Die emotionale Konditionierung stellt die Weichen.

Ungewissheit führt zu Unsicherheit und erzeugt Angst. Es ist wichtig die unbewusste Sinnlichkeit zu aktivieren, damit wir Sicherheit entwickeln (Quelle: AdobeStock / freshidea).

Wenn die Psyche als Organ zur Angstverarbeitung gesehen wird, ist also die Frage, wie wir mehr Sicherheit in der Angstbewältigung bekommen, besonders auch in extrem routinierten oder stürmischen Zeiten. Prof. Dr. Dr. Michael Lehofer ist Psychiater, Psychologe, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des LKH Graz, Autor und Führungskräftecoach. Sein Ziel ist es, Menschen praktische und verständliche Ansätze für ihre Weiterentwicklung an die Hand zu geben. Im Gespräch mit Florian Kondert im Rahmen unserer Gesprächsserie #metaForward hat Lehofer auf die Frage nach dem Umgang mit Angst eine klare Antwort: Wir müssen lernen, die unbewusste Sinnlichkeit in uns zu aktivieren, damit wir Sicherheit haben in Zeiten der Unsicherheit.

Routinen durchbrechen mit Intuition

Im Augenblick vorschneller Entscheidungen entstehen oft Probleme und Routinen. Zu einer fundierten, tragfähigen Entscheidung braucht es laut Lehofer daher die Intuition. Um die eigene Intuition zu schärfen, gilt es, die inwendige Wahrnehmungsfähigkeit zu trainieren. Dies steigert die eigene Ambiguitätstoleranz – der Mensch ist souveräner in Zeiten der Unsicherheit und offener für Neues, weil er es schafft, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu vereinbaren.

Es gilt zunächst, Vertrauen in sich selbst aufzubauen und Selbstbewusstsein zu entwickeln (Quelle: AdobeStock / Memed ÖZASLAN).

So empfiehlt Lehofer, Entscheidungen erst dann zu treffen, wenn eine innere Sicherheit verspürt wird. Nicht umsonst sagt der Volksmund, dass man vor endgültigen Entscheidungen erst einmal eine Nacht darüber schlafen sollte. Innere Sicherheit und Urvertrauen sind laut Lehofer indes nicht gleichzusetzen. Wer über ein gutes Selbstbewusstsein verfügt, kann die Selbstbeobachtung in der Begegnung einstellen und den anderen beobachten – inwieweit er ihm vertrauen kann oder nicht. Vertrauenskompetenz bedeutet eher, in der eigenen Wahrnehmung zu sein. Also gilt es zunächst, Vertrauen in sich selbst zu entwickeln und im Vertrauen zu leben, dass die meisten Fehler nicht existenziell bedrohlich sind.

Angstkompetenz prägt Organisationen

Hier schließt sich der Kreis: Ein jeder muss lernen, mit seinen Ängsten kompetent umzugehen. Manche Ängste sind unberechtigt, manche dagegen gerechtfertigt. Doch wer Angst nicht verarbeitet, kann in eine Falle tappen und in einen funktionalen Egoismus geraten – eine Vermeidungsangst. Neues wird erst gar nicht mehr zugelassen, Optionen verstreichen, Routinen wachsen. Studien zeigen, dass Mitarbeiter ihre Führungspersönlichkeiten und deren emotionalen Zustand sehr genau beobachten, Organisationen nehmen auf diese Weise deren Charakter an. Sind die Angstkompetenz und die Ambiguitätstoleranz ausgeprägt, so gelingt das Unternehmen.

Ohne Angst keine Mut

In der Wir-Kultur bei metafinanz stärkt man sich gegenseitig, um zu lernen, mutig zu sein und neue Wege zu gehen (Quelle: AdobeStock / lassedesignen).

Um sicher in die Ungewissheit zu gehen, muss der Mensch seine eigenen Emotionen bewusst erleben, denn die Grundlage von Mut ist die Kontrolle der Vermeidungsangst. Wer also lernt, sich selbst zu verstehen, an welcher Stelle er Angst vermeidet und an welcher Stelle er Angst spürt, kann auch lernen, mutig zu sein. Denn ohne Angst kein Mut! In einer starken Wir-Kultur wie bei der metafinanz bildet sich so eine gute Grundlage, sich im Austausch gegenseitig zu stärken, neue Wege zu gehen.

Am Ende dieses metaForwards bleiben Perspektiven für die Zukunft: Vor-Sicht im Sinne eines Menschen mit offenen Sinnen. Zuver-Sicht, dass es gut geht, wie es ist, und zwar ohne rosarote Brille. Und wenn dann noch die Rück-Sicht, der Respekt, hinzukommt, dann sind wir zukünftig mit Weit-Sicht unterwegs. Und die Öffnung nach außen kann gelingen.

#metaForward.

Die StartUp Inspiration Week war der Auftakt mit einer Vielzahl von Impulsen, um neue Perspektiven kennenzulernen. Eine Einladung, sich Fragen zu stellen, die im Alltag selten Platz haben. Diese Einladung wollen wir aufrecht halten – mit #metaforward.

Wechselnde Gäste spüren im Gespräch mit Florian Kondert den Themen der Inspiration Week weiter nach. Wir suchen gemeinsam nach Potenzialen, die uns, unsere Organisationen und unser Arbeiten nachhaltig verändern, um die Weichen für morgen zu stellen.

Quelle Titelbild: AdobeStock/fotomek

Dominika Rantasa - metaMind
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