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Wir, das ist Beziehungsarbeit

Dominika Rantasa
Expertin für Marketing
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Tausendsassa Ali Mahlodji hat uns eingeschworen auf das Wir in Unternehmen und die gleichzeitige Entwicklung des Ichs. Seine vielen spannenden Denkansätze werfen erhellende Schlaglichter auf unser Verständnis der Business-Welt.

Wie eng völlig unterschiedliche Lebensbereiche dann doch beieinanderliegen, wenn Menschen zusammenkommen, das rief uns Ali Mahlodji eindringlich und mehrfach in Erinnerung – im „metaForward“, unserem Gesprächsformat für Zukunftsimpulse. Die Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens seien vielfach die Gleichen, egal ob im Privaten oder im Beruf, ob in einer liebevollen oder einer professionellen Beziehung zwischen Eltern und Kindern oder Führungskräften und Mitarbeitenden. Gelingende Beziehungen sind entscheidend für das individuelle ebenso wie das kollektive Glück.

Klarheit zwischen Ich und Wir

Das Ich und das Wir sind ganz natürlich zusammengehörende Teile, denn ohne ein Gegenüber kann ich mich nicht als Ich definieren, und ein Wir ohne Ich gibt es auch nicht. Doch wer mein Gegenüber ist, wer das Wir und wer das Ich – das ist immer eine Frage der Perspektive und des Kontextes. Auch als Unternehmen schweben wir nicht im luftleeren Raum, sondern sind Teil eines größeren Ganzen. Unser Wir wirkt innerhalb des Unternehmens und bestenfalls weit über die organisationalen Grenzen hinaus. Es trägt unser ganzes Potenzial, mit dem wir in Beziehung treten.

Spielfiguren auf einem Brett, Team, Teile

Ohne ein Gegenüber kann ich mich nicht als Ich definieren, und ein Wir ohne Ich gibt es auch nicht (Quelle: Pexels / Pixabay).

Das Wir als Organisation

Wir, das sind wir als Teams und als Organisation mit unseren Kunden, Partnern und Wettbewerbern. Sogar im Sinne der Coopetition, um mehr zu erreichen als nur eine Konkurrenzsituation. Das sind wir als Organisation und Gesellschaft, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Denn in einer Welt der Komplexität und Ungewissheit lassen sich komplexe Fragestellungen nur im Kollektiv und in einem konstruktiven Miteinander auf Augenhöhe beantworten. Und doch fängt es bei jedem selbst an, im jeweiligen Kontext zu einer gelingenden Beziehung beizutragen.

Verschwimmt das Ich im Wir?

Umso mehr die Ichs zu einem Wir zusammenwachsen, desto mehr mag es Bedenken geben, dass sich das Individuum in einem Wir auflösen könnte. Entscheidender ist, wie das Ich im Kollektiv der Mitarbeitenden eines Unternehmens Aufnahme findet. Wenn klar gemacht wird, dass jemand wegen seiner Kompetenzen und Persönlichkeit an Bord kommt und nicht nur, um eine Rolle zu besetzen, dann wird das Individuum in dem, was es tut und wie es das tut, strahlen. Für eine gelingende Zukunft, für erfolgreiche kollektive Prozesse braucht es die Kraft und die Einzigartigkeit jedes Einzelnen. Denn kein starkes Wir ohne ein starkes Ich.

Die Balance zwischen Wir und Ich

Und doch verlangt das Wir gleichzeitig die Unterordnung des Individuums, ohne es zu unterdrücken. Entscheidend ist die Balance, denn das Wechselspiel ist wie ein Pendel, das nie stillsteht, sondern immer hin- und herschwingt zwischen der Wir-Seite – mit ihren Fragen danach, was unsere Organisation sein will, wohin wir gehen, was die Dinge sind, die uns ausmachen – und der Ich-Seite mit ihren individuellen Ansprüchen und Wünschen. Es wichtig, zu verstehen, dass dieses Wechselspiel permanente Arbeit erfordert.

Problem: die Erwartungshaltung

Mit diesem Bewusstsein kann auch dem entgegengewirkt werden, was Mahlodji als eines der größten Probleme in Unternehmen identifizierte: die Erwartungshaltung. Vor allem voneinander abweichende oder übersteigerte Vorstellungen sorgen für Distanz. Wobei Mahlodji derartige Enttäuschungen grundsätzlich als gute Momente bewertet, weil sie jeweils das Ende einer Täuschung markieren. Es brauche Offenheit und Klarheit von Anfang an, und zwar sich selbst und den anderen gegenüber. Vielleicht sollten wir auch darüber nachdenken, ob wir uns selbst häufiger hinterfragen sollten, was die Erwartungshaltung an uns ist, welche Rolle wir wirklich einnehmen und wie wir damit umgehen, wenn eine Person entscheidet – oder eben nicht.

Ein Plädoyer für Werte-Updates

Eines darf bei der ganzen Diskussion um Ich und Wir aber nicht vergessen werden: In einem Unternehmen geht es letztlich darum, erfolgreich zu sein. Nicht zwingend gemessen mit KPIs, sondern bei der Erfüllung des Unternehmenszweckes. Jeden Tag, an dem wir uns für das Unternehmen engagieren, wünschen wir ja auch als Individuen, dass das Kollektiv erfolgreich ist. Ein gemeinsamer Sinn und gemeinsame Werte, die spürbar gelebt werden, sind ein Faktor, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist. Umso mehr die Planbarkeit abnimmt und sich Spielregeln radikal ändern können, desto wichtiger ist es, das eigene Spielfeld klar abgesteckt zu haben. Mahlodji plädiert im Zuge dessen auch für ein regelmäßiges Werte-Update in Organisationen, insbesondere bei der Zusammenarbeit verschiedener Kulturen oder Generationen.

business continuity management

Wir wünschen uns als Individuen, dass das Kollektiv erfolgreich ist (Quelle: Unsplash / Love the wind).

Vom Wir und den Werten

Es brauche kollaborative Prozesse, um diese Werte zu identifizieren und zu definieren und auf die verschiedenen Unternehmensbereiche zu übersetzen. Dieses Plädoyer fand großen Widerhall bei uns – die metafinanz arbeitet auf ihrer Reise in die kommende Dekade kollektiv an Fragestellungen wie:

  • Was bedeutet „Wert“ in Zukunft, was bedeutet es für uns?
  • Wie gestaltet man Wert in Zukunft?
  • Und vor allem: Wie wollen wir unser „Wir“ leben und beleben?

So hat uns Ali Mahlodji in seiner ganz eigenen Art noch einmal wertvolle Nuancen vom Wir und von Werten für die nächsten Etappen mit auf den Weg gegeben. Vielen Dank!

Einen spannenden Artikel zum Thema moderne Lernkultur finden Sie hier.

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Quelle Titelbild: AdobeStock / fotomaximum

Dominika Rantasa
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